Weibliche Führung: Warum die Arbeitswelt Female Leadership braucht
Weibliche Führung ist längst mehr als ein Schlagwort. Female Leadership steht für einen tiefgreifenden Wandel in der Arbeitswelt: Während Unternehmen jahrzehntelang auf Hierarchie, Kontrolle und klassische Karrierewege gesetzt haben, verlangen die Herausforderungen unserer Zeit, wie Digitalisierung, Fachkräftemangel, Generationenwandel und künstliche Intelligenz, nach einer neuen Art von Führung.
Genau deshalb gewinnt weibliche Führung an Bedeutung. Und zwar nicht, weil Frauen grundsätzlich die besseren Führungskräfte wären, sondern weil Qualitäten in den Mittelpunkt rücken, die lange unterschätzt wurden: Empathie, Selbstreflexion, Vertrauen, Dialogfähigkeit, emotionale Intelligenz und Kooperation. Eigenschaften, die viele Frauen aufgrund ihrer Sozialisation besonders stark entwickelt haben – und die allen Führungskräften helfen, wirksam zu führen.
Was ist Female Leadership?
Warum weibliche Führung heute zum Erfolgsfaktor wird
Frauen sind hervorragend ausgebildet, übernehmen Verantwortung, führen Teams und gestalten Innovationen. Doch je höher die Führungsebene, desto seltener werden sie sichtbar: Obwohl Frauen einen erheblichen Anteil der Hochschulabsolvent:innen stellen, sind Spitzenpositionen in Wirtschaft und Industrie weiterhin überwiegend männlich besetzt. Das ist nicht nur eine Frage der Chancengleichheit – es ist eine wirtschaftliche Herausforderung.
Denn internationale Studien zeigen seit Jahren dasselbe Bild:
- Der McKinsey-Report „Diversity Wins“ (2020) belegt, dass Unternehmen mit hoher Geschlechterdiversität im Top-Management signifikant häufiger überdurchschnittlich profitabel sind.
- Catalyst zeigt, dass Mitarbeitende unter inklusiven Führungskräften engagierter, innovativer und stärker gebunden sind – Stichwort psychologische Sicherheit.
- Deloitte beschreibt, dass Empathie, emotionale Intelligenz und Selbstreflexion keine „Soft Skills“ mehr sind, sondern entscheidende Zukunftskompetenzen.
- Der Future of Jobs Report des World Economic Forum führt analytisches Denken, Resilienz, Empathie und kollaboratives Arbeiten unter den wichtigsten Kompetenzen der kommenden Jahre.
Vielfalt wirkt dabei nicht wie ein Wundermittel. Sie verändert die Qualität der Entscheidungen: Unterschiedliche Perspektiven stellen Gewohntes infrage, erweitern den Blick und reduzieren blinde Flecken. Genau daraus entstehen Innovation und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.
Ein Tipp für dich:
Habe schon in einigen Podcast mit interassenten Menschen über Female Leadership und vieles mehr gesprochen. Hör doch hier mal rein:
- Fair&Female mit Barbara Haas von der Kleinen Zeitung sprechen wir über die Stunde der Frauen
- Typisch Mann, typisch Frau, Klischee oder Realität mit Georg Wawschinek
- In „Alles Liebe“ von Erika Kleestorfer reden wir über ehrgeizige Mutmacherinnen
Female Leadership beginnt mit einer Entscheidung – nicht mit einer Beförderung
Es gibt einen Moment, der sich durch meine Arbeit zieht wie ein roter Faden. Eine Frau sitzt im Meeting, bestens vorbereitet, mit einer klaren Lösung. Sie wartet noch einen Augenblick – vielleicht, um alle Perspektiven zu hören, vielleicht, um niemandem ins Wort zu fallen. Sekunden später formuliert ein Kollege denselben Gedanken. Die Reaktion im Raum: Zustimmung, Anerkennung.
Fast jede Frau, mit der ich gearbeitet habe, kennt eine solche Situation. Es geht dabei nicht um fehlende Kompetenz. Vielmehr treffen jahrzehntelang geprägte Rollenbilder auf Organisationsstrukturen, die für ein anderes Führungsverständnis entwickelt wurden. Deshalb spreche ich ungern von einem „Selbstbewusstseinsproblem“. Frauen brauchen keine weiteren Seminare, die ihnen erklären, wie sie lauter werden. Sie brauchen eine Arbeitswelt, die erkennt: Leise heißt nicht unsicher, und Zuhören ist kein Zeichen von Schwäche.
Was vielen fehlt, ist nicht Kompetenz, sondern die innere Erlaubnis, sich selbst als Führungskraft anzuerkennen, Entscheidungen zu treffen, obwohl nicht jede Antwort feststeht, und Fehler als Teil von Entwicklung zu akzeptieren. Selbstvertrauen ist dabei kein Ausgangspunkt, sondern ein Ergebnis: Es wächst mit jeder Verantwortung, die wir annehmen.
Female Leadership beginnt deshalb nicht mit einer neuen Visitenkarte, sondern in dem Moment, in dem wir aufhören, Führung mit Dominanz zu verwechseln, und anfangen, sie als Verantwortung zu verstehen.
Von Female Leadership zu neuer Führung
Auf Konferenzen werde ich oft gefragt, ob Frauen die besseren Führungskräfte seien. Meine Antwort überrascht viele: Nein. Ich glaube nicht an bessere Führung aufgrund des Geschlechts – ich glaube an bessere Führung durch Haltung. Genau deshalb spreche ich lieber von neuer Führung als ausschließlich von weiblicher Führung.
Diese neue Führung stellt Kompetenzen in den Mittelpunkt, die lange unterschätzt wurden: Selbstreflexion, emotionale Intelligenz, Kooperation, Klarheit, Mut zur Verletzlichkeit und die Fähigkeit, Menschen zu entwickeln, statt sie nur zu steuern. In einer Welt, die immer komplexer wird, werden das die entscheidenden Zukunftskompetenzen.
Künstliche Intelligenz wird viele Prozesse schneller machen – Daten analysieren, Prognosen erstellen, Entscheidungen vorbereiten. Was sie nicht ersetzen kann, ist echte Verbindung zwischen Menschen. Vertrauen lässt sich nicht automatisieren, Inspiration ebenso wenig. Female Leadership ist deshalb nie das Ziel gewesen, sondern der Weg: hin zu einer neuen Führung, die menschlich ist. Der englische Begriff „new leadership“ beschreibt letztlich dasselbe – eine Führung, die nicht weiblich oder männlich sein wird, sondern menschlich.
Warum Female Leadership kein Frauenthema ist
„Female Leadership ist doch nur ein Thema für Frauen“, diesen Satz höre ich oft. Meine Antwort lautet fast immer gleich: Female Leadership ist kein Frauenthema. Es ist ein Wirtschaftsthema, ein Zukunftsthema und vor allem ein Kulturthema.
Viele glauben, weibliche Führung wolle klassische Führung ersetzen, als müssten wir uns entscheiden. Das Gegenteil ist der Fall: Gute Führung brauchte immer Klarheit, Entscheidungsstärke und unternehmerisches Denken – diese Qualitäten bleiben unverzichtbar. Female Leadership ergänzt sie um jene Kompetenzen, die zu lange als „weich“ galten. Denn Empathie ist nicht weiblich, Klarheit nicht männlich, und Vertrauen kennt kein Geschlecht. All diese Eigenschaften sind menschlich.
Deshalb profitieren nicht nur Frauen. Auch Männer wünschen sich eine Arbeitswelt, in der Leistung nicht mit permanenter Verfügbarkeit verwechselt wird und Vertrauen wichtiger ist als Kontrolle. Female Leadership eröffnet Frauen neue Möglichkeiten – und befreit Männer von überholten Rollenbildern.
Was Unternehmen jetzt konkret verändern müssen
Wir investieren viel Energie darin, Frauen auf bestehende Systeme vorzubereiten – und wenig darin, diese Systeme selbst zu hinterfragen. Echter Wandel beginnt aber nicht mit einem weiteren Förderprogramm, sondern mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme der eigenen Führungskultur:
- Wie werden Führungskräfte ausgewählt – und welche Verhaltensweisen werden dabei belohnt?
- Wer erhält Sichtbarkeit, und wer wird als „Führungspersönlichkeit“ wahrgenommen?
- Welche ungeschriebenen Regeln gelten bei Meetings, Beförderungen und der Besetzung wichtiger Projekte?
- Wird Führung noch immer mit permanenter Verfügbarkeit statt mit Wirkung gleichgesetzt?
Mentoring kann Türen öffnen, verändert aber keine Kultur. Und auch eine Quote löst kein kulturelles Problem: Eine Frau verändert die Unternehmenskultur nicht automatisch, nur weil sie am Vorstandstisch sitzt. Entscheidend ist, ob sich mit ihr auch das Verständnis von Führung ändert.
Die Organisationen, die heute wirklich erfolgreich sind, behandeln Female Leadership nicht als HR-Initiative, sondern als Teil ihrer Unternehmensstrategie. Sie investieren nicht nur in einzelne Talente, sondern in ihre Führungskultur:
Sie schaffen Räume für unterschiedliche Perspektiven, fördern psychologische Sicherheit, hinterfragen unbewusste Denkmuster und entwickeln Führungskräfte – unabhängig vom Geschlecht – in den Kompetenzen, die morgen entscheidend sind.
Die Aufgabe lautet also nicht, mehr Frauen an bestehende Systeme anzupassen, sondern Systeme so weiterzuentwickeln, dass unterschiedliche Talente ihr Potenzial entfalten können.
Interesse an den Top 5 Maßnahmen für Unternehmen für mehr Frauen in Führung: Hier mehr dazu!
- Bewusstsein und Fokus
- Prozesse und Strukturen
- Professionelles Karenzmanagement für Mütter UND Väter
- Flexibilität und Teilzeit
- Female Empowerment
PS. Auch in der Sheconomy ist dazu ein Blog erschienen.
Der FEMALE WAKE-UP CALL
Genau diese Fragen haben mich bewegt, FEMALE WAKE-UP CALL ins Leben zu rufen und wurde für mein Wirken als Unternehmerin des Jahres ausgezeichnet. (siehe Bild oben)
Link zur Wirtschafskammer und dem Women in Business Award
Mein Ziel war nie, Frauen bloß erfolgreicher im bestehenden System zu machen, sondern eine Arbeitswelt, in der Menschen erfolgreich sein können, ohne sich dabei selbst zu verlieren – und in der Authentizität nicht als Schwäche gilt, sondern als Voraussetzung glaubwürdiger Führung.
Diese Überzeugung zieht sich auch durch mein Buch „Ein FEMALE WAKE-UP CALL – Wie Frauen souverän, authentisch und wirksam in Führung gehen“. Es ist bewusst kein Karriere-Ratgeber, der Frauen erklärt, wie sie sich weiter optimieren. Es ist eine Einladung, Führung neu zu denken – und bei sich selbst beginnen zu lassen. Der eigentliche Weckruf richtet sich dabei nicht nur an Frauen, sondern an Unternehmen, Führungskräfte und uns alle.
Mehr erfahren: Female Leadership Angebote · Mehr über Maren Wölfl · Das Buch
Häufige Fragen zu Female Leadership
Was ist Female Leadership?
Female Leadership beschreibt einen Führungsstil, der auf Empathie, Vertrauen, Kooperation und psychologische Sicherheit setzt statt auf Kontrolle und Hierarchie. Der Begriff meint keine „Führung von Frauen“, sondern eine Haltung, die als entscheidender Erfolgsfaktor moderner, menschlicher Führung gilt.
Was zeichnet weibliche Führung aus?
Weibliche Führung stellt Kompetenzen in den Mittelpunkt, die lange als „Soft Skills“ unterschätzt wurden: Selbstreflexion, emotionale Intelligenz, Dialogfähigkeit und die Fähigkeit, Menschen zu entwickeln statt zu steuern. Studien zeigen, dass genau diese Fähigkeiten über Innovationskraft und Mitarbeiterbindung mitentscheiden.
Sind Frauen die besseren Führungskräfte?
Nein. Es geht nicht um besseres Führen aufgrund des Geschlechts, sondern um Haltung. Viele Frauen haben die relevanten Kompetenzen durch ihre Sozialisation stark entwickelt – doch wirksame Führung ist an keine geschlechtsspezifische Eigenschaft gebunden und steht allen offen.
Warum sind Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert?
Die Ursachen liegen selten bei den Frauen selbst, sondern in Strukturen, tradierten Rollenbildern und einem Führungsverständnis, das über Jahrzehnte von Verfügbarkeit und Kontrolle geprägt wurde. Frauen in Führungspositionen zu stärken heißt deshalb auch, die Kultur dahinter zu verändern.
Ist Female Leadership nur für Frauen?
Nein. Female Leadership ist ein Wirtschafts-, Zukunfts- und Kulturthema. Auch Männer profitieren von einer Führungskultur, in der Vertrauen wichtiger ist als Kontrolle und Leistung nicht mit permanenter Verfügbarkeit verwechselt wird.
Die Zukunft der Arbeit entsteht nicht dort, wo wir Frauen verändern. Sie entsteht dort, wo wir den Mut haben, Führung menschlicher zu machen.





